Spaniens Rotweinsorte Nummer Zwei

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Eine Preisfrage: Welche ursprünglich spanische Rebe gehört zu den weltweit am häufigsten angebauten Rotweinsorten? Es ist nicht die Tempranillo, so viel sei schon einmal verraten.

Kurz nachdenken? Lassen Sie sich Zeit ….

Erraten? Genau, es ist die Garnacha, außerhalb Spaniens bekannt als Grenache.

Die Garnacha Tinta, so der vollständige Name, wurde erstmals vor etwa eintausend Jahren im nordspanischen Aragon entlang den Ufern des Ebro kultiviert. Von dort breitete sie sich zuerst im Mittelmeerraum und später in der ganzen Welt aus.

In Spanien stand die Rebe, was den Qualitätsweinbau betrifft, lange im Schatten der Tempranillo. Bei den großen Rotweinen des Rioja war und ist Tempranillo stets die Hauptsorte. Die Garnacha durfte manchmal als Verschnitt in kleinen Mengen herhalten, um dem Gewächs ein bisschen mehr Körper und Wärme zu geben. Das war’s dann auch schon. Da die Sorte außerdem große Erträge ergibt, wurde sie häufig zur Erzeugung von Massenweinen herangezogen.

Doch diese Zeiten sind vorbei. In Spanien erlebt die Garnacha Tinta seit etwa drei Jahrzehnten eine Renaissance. Beispielsweise stellt sie im weltbekannten Anbaugebiet Priorat die Leitsorte dar. Einer der teuersten Weine Spaniens – der L’Ermita von Alvaro Palacios – kommt eben aus dem Priorat und enthält stets einen Garnacha-Anteil von achtzig Prozent und mehr.

Es gibt darüber hinaus sogar schon Weinfreaks, die sich als „Garnachistas“ bezeichnen, was übersetzt soviel wie „die Fans der Garnacha“ bedeutet. Und weil die Sorte in einem heißen und trockenen Klima so gut klarkommt, dürfte sie im Zuge des Klimawandels nochmals populärer werden, als sie es bereits ist.

Sie sehen, an dieser Rebe führt kein Weg vorbei. Was es mit der Traube auf sich hat und wo sie besonders häufig und gut gedeiht, davon handelt dieser Beitrag.

Garnacha-Trauben
Garnacha-Trauben kurz vor der Lese

Verschiedene Verietäten

Eine Sache vorneweg: So wie es mehrere Burgunder-Sorten gibt, so existieren auch verschiedene Garnacha-Arten. Ergänzend zur Garnacha Tinta gibt es die weiße Garnacha Blanca, die graue Garnacha Gris sowie die roten Garnacha Peluda und Garnacha Tintorera.

Keine dieser genannten Varietäten erreicht allerdings auch nur annähernd die 85.000 Hektar, auf welche es die Garnacha Tinta im spanischen Weinanbau bringt. Die „Gris“ und „Peluda“ dürfen Sie sogar ohne Widerspruch auf die Rote Liste bedrohter Arten setzen.

In diesem Beitrag reden wir ab jetzt ausschließlich von der Garnacha Tinta. Wenn Sie unserem Blog treu bleiben, dann erfahren Sie über alle anderen Varietäten der Rebe zu einem späteren Zeitpunkt in einem separaten Artikel mehr. Versprochen!

Das Geschmacksprofil

Aus der Garnacha entstehen bevorzugt kräftige und körperbetonte Weine. Da die Beeren oftmals einen hohen Zuckergehalt erreichen, fallen sie zudem gerne alkoholisch aus. Durch die eher dezente Säure und das mittelkräftige Tannin der Traube entstehen somit weiche, geschmeidige und voluminöse Rotweine.

Reduziert der Winzer konsequent die Erträge und trifft er den richtigen Lesezeitpunkt, dann lassen sich aus der Garnacha-Rebe große Gewächse gewinnen. Diese zeichnen sich neben Frucht, Fülle und Kraft zudem durch Frische und Eleganz aus.

Gerade die Eigenschaften „Frische und Eleganz“, die der Garnacha lange Zeit abgesprochen wurden, finden sich neuerdings in vielen Rotweinen aus der D.O. Vinos de Madrid. Erzeuger wie Comando G und Bernabeleva haben hier einen ganz eigenen, frischen Stil geschaffen. Sie profitieren diesbezüglich von den Höhenlagen der Sierra de Gredos, wo sich ihre Weinberge befinden. Die kühlen Nächte in dieser Gebirgsregion verhindern im Sommer einen raschen Säureabbau, der durch Zellatmung in den Beeren stattfindet.

Die Hauptgebiete der Garnacha

Die Garnacha Tinta ist nach der Tempranillo die am zweithäufigsten kultivierte Rotweinrebe Spaniens. Neben der bereits erwähnten Region um Madrid und der dortigen Sierra de Gredos sind es vor allem zwei spanische Gemeinschaften, in denen ihr die Hauptrolle zukommt.

1. Katalonien

Weinberge in Terra Alta
Weinberge in Terra Alta

Die Garnacha hat sich über Jahrhunderte perfekt an ein mediterranes Klima angepasst. Besser als viele andere Sorten kommt sie mit Hitze und Trockenheit klar. So ist es nicht verwunderlich, dass die Traube in ganz Katalonien – im Hinterland von Costa Dorada und Costa Brava – bei Winzern populär ist und hervorragende Qualitäten ergibt. Ob Sandböden in Empordà, ob Kalk-Lehm-Böden in Montsant und Terra Alta oder Schiefer im Priorat – aus all diesen Terroirs und Anbaugebieten kommen teils außergewöhnliche Rotweine.

Häufig verhält es sich so, dass die „Garnatxa“, wie sie auf katalanisch heißt, in den dortigen Weinregionen nicht sortenrein ausgebaut wird. Um mehr Ausgewogenheit und Balance zu erzielen, wird sie gerne mit Sorten wie der säurebetonteren Carinena oder der tanninreicheren Cabernet Sauvignon zur Cuvée vermählt.

Das kleine Priorat nimmt unter all den ausgezeichneten Anbaugebieten vielleicht nochmals eine Sonderstellung ein: Im schroffen Bergland und auf dessen armen Schieferböden entstehen enorm konzentrierte und mineralische Rotweine wie dieser Tipp:

Celler Ametller, Clos Mustardo Negre 2014 (expressiv, kraftvoll, weich)

2. Aragon

In ihrer Ursprungsregion Aragon ist die Garnacha aus DO-Qualitätsweingebieten wie Calatayud, Carinena und Campo de Borja ebenfalls nicht wegzudenken. Hier wird sie im Vergleich zu Katalonien auch häufiger sortenrein abgefüllt.

Hochinteressant ist zum Beispiel die D.O. Campo de Borja. Unter dem Einfluss des dortigen Moncayo-Massivs ist das Klima kälter und rauer. Die Garnacha gedeiht hier auf bis zu 900 m Höhe. Die Wachstums- und Reifezyklen der Trauben sind durch die Temperaturschwankungen aus heißen Tagen und kühlen Nächten entsprechend lang.

So entstehen aromatisch voll ausgereifte und ausdrucksstarke Weine wie der folgende Tipp aus über 100 Jahre alten Reben:

Bodega Aragonesas, Centenaria 2016 (fruchtig, weich, voluminös)

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