Es gibt in diesen Corona-Zeiten wenig Gewissheiten. Eins ist allerdings so gut wie sicher: Der Sommer kommt. Und mit ihm die Tage der Roséweine. Ein leichter und spritziger Rosé ist an warmen Tagen doch ein wunderbares Getränk für entspannte Stunden auf Terrasse und Balkon. Die vollmundigeren Rosés eignen sich wiederum prima als Begleiter für eine Grillparty im kleinen Familienkreis. Natürlich gerne auch im größeren Freundeskreis, falls es dann wieder erlaubt bzw. möglich sein sollte.
Wie auch immer. In diesem Beitrag stellen wir fünf spanische „Rosados“ mit unterschiedlicher Stilistik vor. Quasi das Rundum-Paket für den Sommer. Zuerst einmal erklären wir, was ein Rosé überhaupt ist. Es ist nämlich nicht so, dass dafür Weiß- und Rotweine vermischt werden, wie manche es glauben.
Ein Rosé wird aus Rotweintrauben gewonnen und (fast) wie ein Weißwein gekeltert.
Was genau sind eigentlich Roséweine? Eine gängige und knappe Definition lautet: Ein Rosé wird aus Rotweintrauben gewonnen und wie ein Weißwein gekeltert. Das ist beinahe korrekt, jedoch in einem Punkt zu kurz gegriffen.
Richtig ist, dass Roséweine in der Regel aus roten Rebsorten erzeugt werden. Richtig ist ebenfalls, dass sie wie Weißweine zuerst gepresst und danach als Saft vergoren werden. Allerdings: Zwischen der Traubenernte auf der einen Seite sowie Pressen und Vergärung auf der anderen Seite, erfolgt bei Roséweinen ein technischer Zwischenschritt. Dieser nennt sich „Maischestandzeit“. Was das ist, erklären wir nun in drei Schritten.
1. Rotweine erhalten ihre Farbe nicht, weil der Saft von roten Trauben rötlich wäre. Dieser ist nämlich so hell wie bei weißen Trauben. Nur in den Beerenhäuten befinden sich die roten Farbpigmente. Rotweine haben also deshalb eine rote bzw. dunkle Farbe, weil der Saft entsprechende Farbstoffe aus den Schalen der Beeren zieht. Diese Extraktion geschieht während der sogenannten Maischegärung.
2. Als „Maische“ bezeichnet man das Gemisch aus Traubenkernen, Fruchtfleisch und Schalen, welches entsteht, nachdem die Beeren von den Traubenstilen entfernt wurden. Die alkoholische Gärung bei Rotweinen findet eben auf dieser Maische statt. Jene Maischegärung kann 5 bis 30 Tage dauern. In der Zeit zieht der Most die rote Farbe und außerdem Tannine aus den Beerenschalen. Was Tannine sind und welche Bedeutung sie im (Rot-)Wein haben, erfahren sie übrigens in diesem Beitrag auf unserem Vino-&-Alma-Blog.
3. Rosés werden nicht (wie Rotweine) auf der Maische vergoren. Allerdings lässt man sie – bevor die Gärung einsetzt – in den meisten Fällen für 1 bis 24 Stunden auf der Maische stehen. In dieser Zeitspanne extrahiert der Saft rote Farbstoffe und Tannine aus den Beerenschalen. Abhängig von der Dauer der sogenannten Maischestandzeit erhalten die Rosés ein helles lachsfarbenes bis hin zu einem stark rosafarbenen Aussehen. Nach dieser kurzen Standzeit wird die Maische gepresst und der Saft (wie bei einem Weißwein) vergoren.
Wer zur Weinbereitung und zur Vergärung von Rot-, Weiß- und Roséweinen nochmals mehr erfahren will, erfährt in diesem Beitrag unseres Vino-&-Alma-Blogs weitere Details.

Fassen wir als Zwischenfazit zusammen: Rotweine werden auf der Maische aus Fruchtfleisch, Kernen und Schalen vergoren. Weißweine hingegen als Saft. Roséweine werden wie Weißweine ebenfalls als Saft vergoren. Allerdings „stehen“ sie davor – im Gegensatz zu Weißweinen – für eine mehr oder weniger kurze Zeit auf der Maische. Dabei zieht der Saft unter anderem rote Farbstoffe aus den Beerenschalen (und außerdem Tannine, was dem späteren Wein mehr Struktur gibt).
Hinter dieser Form der oben beschriebenen Weinbereitung steckt die Idee, einen Wein zu erzeugen, der die Vorzüge von Rot- und Weißweinen vereint: Im Idealfall kombiniert ein Rosé die beerige Aromatik und den kräftigeren Körper eines Rotweins mit der Frische und Leichtigkeit eines Weißweins. Das bedeutet: Gute Roséweine zu erzeugen ist ein Balanceakt und eine Kunst. Einige Roséweine sind deshalb weitaus mehr als nur erfrischende Sommergetränke, sondern echte Allrounder und passende Begleiter für viele Anlässe. Verschiedene Roséstile stellen wir im Folgenden vor.
Fünf Rosés für jeden Anlass – unsere Vino-&-Alma-Tipps
Ob uns ein Wein schmeckt und gefällt, hat nicht allein mit dem Wein zu tun, sondern auch mit der Situation, in der wir ihn trinken. Bestimmte Weinstile passen zu bestimmten Situationen. Das gilt für Rot-, Weiß- und ebenso für Roséweine.
Der Terrassenwein
Der Les Sorts Jove aus der katalanischen D.O. Montsant wird aus Trauben der Rebsorte Garnacha gewonnen, die in Spanien traditionell gerne zur Erzeugung von Rosados eingesetzt wird. Jener Rosé der Kooperative Celler Masroig ist ein frischer, spritziger Genosse, der sich im positiven Sinne gut wegzischt. Er ist einfach und unkompliziert, aber nicht langweilig. Er ist fruchtbetont und bereitet Trinkspass.
Der Grillwein
Mit einer ganz anderen Stilistik kommt der Carredueñas aus dem Anbaugebiet D.O. Cigales daher. Der sortenreine Tempranillo wird in Barriquefässern vergoren und reift weitere vier weitere Monate in jenen Holzgebinden. Dadurch erhält er mehr Textur, Kraft und Komplexität. Dies ist ein Rosé, der einem Steak standhalten kann und sich somit ideal für eine Grillparty eignet. Achtung: Trinken Sie diesen Rosé bitte nicht zu kalt, sondern besser bei kühlen 13 bis 14 Grad. Wegen der kräftigeren Tanninstruktur könnte er – zu kalt serviert – am Gaumen etwas schwerer zugänglich sein.
Der Traditionelle
Ebenfalls aus der nordspanischen D.O. Cigales kommt der Hiriart Lagrima. Es handelt sich hierbei um eine Cuvée aus Tempranillo, Garnacha und der weißen Sorte Verdejo. Zwar ist es in der EU gesetzlich verboten einen als Qualitätswein bezeichneten Rosé aus der Vermischung von Weiß- und Rotweinen herzustellen (nur in der untersten Kategorie der Tafelweine ist dies möglich). Man darf für Qualitäts-Rosés aber weiße und rote Trauben zusammen vergären. Dies stellt die traditionelle Methode – wie sie Jahrhunderte lang praktiziert wurde – dar. Viele historische und alte Weinberge in Spanien waren bzw. sind Mischsätze, in denen rote und weiße Reben gemeinsam vorkommen. Die Trauben werden traditionell zusammen gelesen und vergoren.
Der elegante Allrounder
Zu 100 Prozent aus Tempranillo gekeltert ist der Altún Rosé aus dem Rioja. Dieser Wein kombiniert einige positive Eigenschaften, was ihn zu einem echten Allrounder macht: Weder ist er zu kompliziert und aufdringlich, noch ist er belanglos und langweilig. Dieser Rosé ist vielmehr frisch, fein und elegant. Er verbindet das Zwanglose mit Anspruch. Das Gewächs eignet sich folglich sowohl für lockere und legere Treffen im Freundeskreis, als auch für den niveauvollen Genuss alleine oder zu zweit.
Der vollmundige Allrounder
Mehr Schmackes zeigt der Alma Rosé aus dem südostspanischen Ribera del Júcar. Das liegt zum einen an seiner Hauptsorte Cabernet Sauvignon und zum anderen daran, dass ein Ausbau auf der Feinhefe erfolgt ist. Letzteres verleiht ihm eine vollmundigere Textur. Eine rotbeerige Frucht, kräuterige Anklänge und frische Zitrusnoten zeichnen das Gewächs ferner aus. Aufgrund dieser Vielseitigkeit ist es ein Rosé, der sich ebenfalls in vielen Situationen als passender Begleiter darstellt.