Vielleicht haben Sie schon einmal daran gedacht sich ein Weinlager anzulegen. Man weiß in diesen ernsten Tagen schließlich nie, was noch alles auf einen zukommt. Und die häusliche Weinversorgung will natürlich sichergestellt sein.
Abgesehen von Krisenzeiten gibt es einen viel wichtigeren Grund, weshalb sich manche Weinliebhaber einen „Keller“, wie man gemeinhin sagt, aufbauen. Und dieser liegt im Reifepotenzial des Weins. Wein ist nämlich kein steriles Getränk, das sich abgefüllt nicht mehr verändert. Ganz im Gegenteil. Zahlreiche Weine entwickeln sich während der Flaschenreife – die Aromatik und Struktur betreffend – äußerst positiv. Eine Voraussetzung dafür ist, dass sie korrekt aufbewahrt sind. In diesem Beitrag geben wir Tipps, worauf beim Lagern von Wein zu achten ist.
Warum Wein lagern und welche Weine kommen dafür in Frage?
Im Handel sind zumeist die aktuellen, sprich jungen Jahrgänge von Weinen erhältlich. Ältere Jahrgänge eines Weins sind oft nicht mehr verfügbar oder sehr teuer. Für Weinliebhaber bietet es sich deshalb an, junge Jahrgänge zu kaufen und diese im eigenen Lager reifen zu lassen.
Es kann sich zum Beispiel lohnen von ein paar Lieblingsweinen jeweils einen 6er- oder 12-er Karton eines Jahrgangs zu kaufen und die Flaschen dann in halbjährlichen oder jährlichen Abständen zu öffnen. Die Entwicklung eines Lieblingsweins auf diese Weise zu verfolgen ist spannend und beschert außergewöhnliche Genussmomente.
In der Regel können Rotweine länger aufbewahrt werden als Weißweine. Ganz besonders solche Rotweine, die über kräftige Tannine und höhere Alkoholgrade verfügen. Diese Komponenten wirken konservierend. Bei mehrjähriger Flaschenreife werden bei Rotweinen zum Beispiel die Tannine besser eingebunden. Gerade die komplexen roten Gewächse sind in jungen Jahren aromatisch „verschlossen“ und „öffnen“ sich erst im Laufe der Zeit.
Bestimmte Weißweine, wie hochwertige Rieslinge aus Deutschland und Top-Albarinos aus Galicien, können ebenfalls faszinierende Reifetöne entwickeln. Es handelt sich hierbei um Weine, die über eine hervorragende, oftmals knackige Säure verfügen. Und Säure wirkt konservierend. Das gleiche gilt für Zucker, weshalb auch die guten Süßweine in der Regel lange lagerfähig sind und während dieser Zeit wunderbare Aromen herausbilden.
Es gibt heutzutage aber auch viele einfache und leckere Weine, die für den schnellen Genuss gedacht sind. Einen leichten Rosé oder einen spritzig-frischen Weißwein lange zu lagern, macht keinen Sinn. Diese unkomplizierten Weine – im Charakter fruchtig und frisch – sind bereits jung trinkreif und zugänglich. Sie gewinnen durch ein Lager nicht an Qualität hinzu. Oftmals verlieren sie sogar an Frische und würden nach längerer Lagerung fad schmecken.
Wenn Sie also ein Weinlager anlegen, achten Sie bitte darauf die geeigneten Weine auszuwählen. Der Weinhändler Ihres Vertrauens wird Sie sicher gut beraten, welche Weine dafür in Frage kommen und welche nicht.
Wein lagern – der richtige Ort im eigenen Zuhause
Schlecht gelagerter Wein verliert an Qualität und kann im schlimmsten Fall sogar völlig verderben. Wer einen Wein nach dem Einkauf nur für ein paar Wochen bei sich zuhause lagert, der muss sich über die Art und Weise nicht allzu viele Gedanken machen. Wein geht nicht innerhalb kurzer Zeit hinüber. Erst wenn das Lager ein Jahr bzw. über mehrere Jahre erfolgen soll, gilt es die folgenden Regeln zu beachten.
1. Möglichst dunkel, kühl und geringe Temperaturschwankungen
Im Idealfall lagert Wein in einem dunklen und kühlen Raum, der über etwas Luftfeuchtigkeit verfügt (zu hoch sollte sie nicht sein). Im Umkehrschluss bedeutet dies: Helligkeit und Wärme schädigen einen Wein auf Dauer. Je heller und wärmer, umso schneller altert und kippt der Wein, und zwar aufgrund chemischer Reaktionen, die durch Licht und Wärme ausgelöst werden.
Ein entscheidendes Kriterium bei der Weinlagerung ist darüber hinaus die Raumtemperatur. In der einschlägigen Fachliteratur werden Lagertemperaturen von 7-18 °C empfohlen. Als gemeinhin ideal gilt eine Temperatur von 10-13 °C. Noch wichtiger als diese angegebene Temperaturspanne ist allerdings, dass der Wein unter einigermaßen konstanten Bedingungen lagert. Wein mag nämlich keine großen Temperaturveränderungen. Ein Raum, der im Winter ideale 12 °C kühl ist und im Sommer auf 24 °C erwärmt, ist nicht zur Weinlagerung geeignet. In diesem Fall wäre es besser den Wein in einem Raum zu lagern, dessen Temperatur konstant bei mehr oder weniger 20 °C liegt.
2. Unterirdischer Keller, Abstellkammer oder Schlafzimmer
Wer ein Haus mit einem unterirdischen Keller besitzt, hat beste Voraussetzungen Wein zu lagern. In einem dunklen unterirdischen Keller variieren Sommer- und Wintertemperaturen nicht allzu sehr. Zumindest nicht in solch einem Maße, dass der Wein Schaden nehmen würde. Passen Sie aber auch hier bitte auf, dass Sie die Weinregale nicht neben dem Heizungsboiler aufrichten. Wärme, das wissen wir inzwischen, ist schädlich.
Wer in einer Wohnung lebt, hat zumeist keinen geeigneten Keller. Das ist kein Grund zu verzagen. Auch hier gibt es Möglichkeiten. Die Küche mit Wärmequellen wie Herd, Ofen und Kühlschrank kommt freilich nicht in Frage. Eine dunkle Abstellkammer oder ein kühlerer Raum – wie es oft das Schlafzimmer ist – sind gute Örtlichkeiten für ein Weinlager. Selbst unter dem Bett kann ihr Wein sehr gut ruhen und reifen.
Es gibt heutzutage freilich auch Weinkühlschränke, in denen Weine unter optimalen und gleichbleibenden Temperaturbedingungen lagern können. Diese Geräte verursachen allerdings Kosten und sind in der Kapazität begrenzt. Gegebenenfalls bietet es sich an die ganz besonderen Schätze im Weinkühlschrank und alle anderen Weine konventionell zu lagern.
Ein Weinkühlschrank bietet optimale Bedingungen
3. Flaschen mit Naturkorken als Verschluss müssen zwingend liegen
Last, but not least ist auf die Art der Lagerung zu achten: Weine mit einem Naturkorken als Verschluss werden zwingend gelegt, damit der Korken nicht austrocknet und undicht wird. Weine mit einem Schraubverschluss oder Glas-Stopper können hingegen problemlos aufrecht stehen. Sie werden dadurch überhaupt nicht schlecht. Generell wichtig ist, dass die Flaschen ruhen und möglichst wenig Erschütterungen erfahren. Ein Weinlager neben der schleudernden Waschmaschine wäre zum Beispiel wenig vorteilhaft.
Fazit zum Wein lagern
Weine über einen längeren Zeitraum zu lagern kann sich lohnen, weil sie sich während der Flaschenreife aromatisch öffnen. Ferner werden Komponenten wie Säure und Tannine besser eingebunden, was insgesamt zu einer besseren Balance des Weins führt.
Weinliebhaber die einen „Weinkeller“ anlegen möchten, sollten auf einen dunklen und kühlen Raum mit möglichst geringen Temperaturschwankungen zurückgreifen können. Ein unterirdischer Keller, eine dunkle Abstellkammer oder das kühle Schlafzimmer (z.B. unterm Bett) können hierbei in Frage kommen. Wer Weine über Jahre hinweg geduldig und richtig lagert, wird mit außergewöhnlichen Genussmomenten belohnt.