Einer der Vorzüge Spaniens ist, dass das Land sowohl am Mittelmeer als auch am Atlantik liegt. Allein aufgrund dieser geografischen Konstellation lassen sich Weine mit ganz unterschiedlicher Stilistik und aus verschiedensten Rebsorten erzeugen. Von spritzig-frisch bis mächtig-voluminös ist alles drin. Das bekannteste spanische Anbaugebiet am Atlantik ist die D.O. Rías Baixas in Galicien. Es ist Heimat für die weiße Rebsorte Albariño, eine atlantische Traube par excellence und ein genialer Begleiter für Meeresfrüchte.
Rías Baixas – Weingebiet an der atlantischen Westküste
Das Anbaugebiet Rías Baixas zieht sich südlich der Pilgerstadt Santiago de Compostela den Atlantik bis zur portugiesischen Grenze entlang. Namensgeber für das Weingebiet sind die zahlreichen Buchten, die sich an der dortigen Westküste ins Land hineinziehen. Rías Baixas übersetzt sich wörtlich als „Untere Fjörde“. Sinngemäß ist es passender von „Südliche Fjörde“ zu sprechen, eben weil wir uns im südlichen Teil Galiciens befinden.
Atlantik und Albariño – ein Paar, das passt
Die atlantischen Winde bringen ein starkes Niederschlagsaufkommen mit sich, das etwa doppelt so hoch wie der deutsche Durchschnitt ist. Viel Regen und Reben – das ist eine delikate Angelegenheit. Es drohen Krankheiten wie Mehltau, Botrytis oder Schwarzfäule.
Als relativ resistente Rebsorte gegen Pilz- und Fäulnisbefall hat sich die Albariño erwiesen. Deshalb ist sie wie geschaffen für das feuchte atlantische Klima, und mit etwa 95% im Anbau ist sie ganz klar die Hauptsorte in Rías Baixas. Daneben existieren weitere autochthone Reben wie die weißen Loureira und Treixadura und die rote Caiño. Alle kommen sie jedoch nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich vor.
Eine wichtige Funktion kommt darüber hinaus den Granitsandböden in Rías Baixas zu. Es sind durchlässige Böden, in die das Wasser gut einsickern kann. Last but not least wird die Albariño zumeist in der Pergola-Erziehung gehalten. Die Durchlüftung der Parzellen ist bei diesem Rebenerziehungssystem am besten gegeben und somit ist gewährleistet, dass die Trauben nach Regenfällen oder Tau schneller trocknen.

Albariño übersetzt sich übrigens als „Der Weiße vom Rhein“. Der Name basiert auf der inzwischen widerlegten Theorie, die Traube stamme vom Rhein und sei ein Riesling-Abkömmling. Eine Zeit lang kursierte auch die These, dass Mönche aus dem Burgund die Sorte über den Pilgerweg nach Galicien gebracht hätten. Aktuelle DNA-Tests zeigen hingegen, dass eine Verwandtschaft weder zu den Burgundersorten, noch zur Riesling besteht.
Auch wenn die Herkunft der Albariño bis heute unbefriedigend geklärt ist, so darf man am ehesten davon ausgehen, dass sie eine der vielen autochthonen Rebsorten des portugiesisch-galicischen Kulturraums ist. In Portugal wird die Rebe unter dem Namen Alvarinho kultiviert, dabei allerdings selten reinsortig wie in Rías Baixas abgefüllt.
Rías Baixas und Albariño – eine anhaltende Erfolgsstory
Die 1988 gegründete D.O. Rías Baixas ist eine Erfolgsgeschichte. Mit Beginn der 1990er-Jahre kannte kaum jemand außerhalb Galiciens das Weingebiet und dessen Albariño-Weine. Im Jahr 1991 kürte dann der „Club de Vinos Gourmets“ die besten jungen spanischen Weißweine. Die vier ersten Plätze belegten dabei Albariños aus Rías Baixas. Damit war der nationale Durchbruch geschafft. Alsbald waren die Weißweine auch in den Restaurants von London und New York angesagt.
Die Beliebtheit der Albariño hält bis heute unvermindert an. Und die boomende Nachfrage führte zu einem Anstieg der Rebflächen in Rías Baixas. Wies die D.O. bei ihrer Gründung 1988 noch weniger als 900 Hektar aus, so kommt sie heute auf über 4.000 Hektar Anbaufläche. Für spanische Verhältnisse ist das Weingebiet zwar nicht gerade groß; ein Wachstum von über 400 Prozent in dreißig Jahren ist dennoch beachtlich.
Im Zuge dieses Anstiegs sind viele kommerzielle Albariño-Weißweine entstanden, die fruchtig und frisch schmecken, nett zu trinken sind, aber auch nicht mehr als das. Zumeist sind es gut gemachte Weine für den Mainstream, an denen es wenig auszusetzen gibt, die aber beliebig wirken.
Glücklicherweise gibt es eine Reihe von Erzeugern, die das Potenzial der Rebe voll ausschöpfen, deren Weißweine eine spürbare Mineralität, animierende Zitrusaromatik und einen packenden Säurezug haben. Eben das, was die Albariño am besten kann und was sie so einzigartig unter den spanischen Weißweinsorten macht.
Ein solcher Weinmacher ist Carlos Rey Lustres. In seinem Weingut Anadigna keltert er zwei sortenreine Albariño. Der eine wird für 7 Monate auf der Feinhefe ausgebaut, der andere nach der Gärung sofort von der Hefe getrennt. So erhalten wir zwei unterschiedliche Stilarten – der Albariño mit Hefelager ist vollmundiger und schmelziger, der andere knackiger und straffer. Beide sind sie exzellent in ihrer Qualität.
Die zwei Albariño gibt es hier im Vino&Alma-Shop.

Perfekt in Kombination mit Meeresfrüchten
Galicien ist das Land der Meeresfrüchte, und die Albariño-Weißweine aus Rías Baixas passen perfekt zu Austern, Tintenfisch, Muscheln oder Hummer. Was aus dem Meer kommt und was am Meer wächst, gehört auf jeden Fall zusammen. Mit ihrer frischen Zitrusaromatik sind die (guten) Albariño aus Rías Baixas ferner ideale Begleiter zu einem Gericht wie dem peruanischen Ceviche.