Das Thema Weintemperatur klingt banal und wird häufig unterschätzt, ist aber von großer Bedeutung für den Weingenuss. Zu warm oder zu kalt serviert, ist selbst beim besten Wein das Geschmackserlebnis eingeschränkt, wenn nicht gar ruiniert. Damit es nicht soweit kommt, zeigen wir in diesem Leitfaden die wichtigsten Regeln für die ideale Trinktemperatur von Rot-, Weiß- und Roséwein auf. Wer sich daran hält, befindet sich auf der sicheren Seite und kann Weine in ihrer ganzen aromatischen Vielfalt genießen.
Welche Wein-Trinktemperatur gilt für Rot-, Weiß- und Roséwein?
Die richtige Temperatur für Rotwein: 14° bis 18° C
Kaum eine Annahme hält sich unter Weinkonsumenten hartnäckiger als jene vom Rotwein, der bei Zimmertemperatur getrunken werden soll. Das ist derart falsch, dass sich viele Weinerzeuger seit Jahren genötigt sehen, die empfohlene Trinktemperatur auf den Rücketiketten anzugeben. Die Angaben für Rotweine liegen in den meisten Fällen zwischen 14° und 18° C. Das ist kühl, nicht warm!
Der Grund ist simpel: Alkohol reagiert auf Temperatur. Bei Wärme entwickelt er einen stechenden Duft und brandigen Geschmack. Der Wein verliert dabei die Balance.
Die Regel mit der Zimmertemperatur stammt aus dem 19. Jahrhundert. Damals waren die Räume insgesamt und vor allem der Speisesaal, in dem Wein getrunken wurde, deutlich kühler temperiert als wir es heutzutage gewohnt sind.
Sofern Weinliebhaber nicht über einen kühlen Keller verfügen, in dem sie Weine lagern, macht es folglich überhaupt nichts aus einen Rotwein für einige Stunden vor dem Öffnen in den Kühlschrank zu legen. Nicht kalt soll er getrunken werden, der Rotwein, aber gerne kühl. Schlanke Rotweine eher bei 14° bis 16°C; körperbetonte und konzentrierte Rotweine eher bei 16° bis 18°C.
Unsere Rotweintipps:
Albiker 2018 (Bodegas Altún,): 14° C (fruchtig, frisch)
Casa de Illana Selección 2014 (Bodegas Illana): 17° C (körperbetont, konzentriert)
Die perfekte Temperatur für Weißwein: 8° bis 12° C
Während Rotweine oft zu warm getrunken werden, verhält es sich bei Weißweinen genau umgekehrt: Man trinkt sie häufig zu kalt.
Moderne Kühlschränke sind in der Regel auf 5° bis 6° C eingestellt. Die Europäische Union empfiehlt auf dem Energielabel für Kühlschränke beispielsweise 5° C. Diese Temperaturen sind zu kalt für Weißweine. Denn ein Weißwein ist kein Sommergetränk, mit dem man sich eisgekühlt den Durst löscht. Bei einer Temperatur von 5° C bleibt ein Weißwein aromatisch verschlossen und eindimensional.
Sehr kalt, bei um die 6° C,sollten einzig Schaumweine getrunken werden, da die Kohlensäure in der Lage ist Aromen zu transportieren.
Ansonsten liegen die Empfehlungen für Weißweine zumeist bei 8° bis 12° C. Eher kalte 8° C für leichte frische Weißweine, kühle 12° C für gehaltvolle und hocharomatische Weißweine wie zum Beispiel einen Chardonnay aus dem Burgund oder – um bei Spanien zu bleiben – eine im Eichenfass ausgebaute Viura aus dem Rioja.
Ein Weißwein, der bereits mehrere Tage im Kühlschrank liegt, darf also gerne ein oder zwei Stunden vor dem Verzehr herausgenommen werden. Sie müssen ihn ja nicht unbedingt neben die Heizung stellen.
Unsere Weißweintipps:
Begastri Blanco (Bodegas Carreno): 8° C (frisch, fruchtig)
Casa de Illana Carmen (Bodegas y Viñedos Illana): 12° C (vollmundig, komplex)
Die beste Weintemperatur für Rosé: 10° bis 14° C
Ein Rosé wird aus Rotweintrauben gepresst und wie ein Weißwein (nur der Most und ohne Schalen) vergoren. Vor der Gärung steht er für einige Stunden auf der Maische aus Traubenkernen, Fruchtfleisch und Beerenschalen. In den Schalen befinden sich die roten Farbpigmente. Abhängig von der Länge des Kontaktes mit den Beerenhäuten erhalten Roséweine ihr helles lachs- bis kräftig rötliches Aussehen.
Hinter dieser Form der Weinbereitung steckt die Idee einen Wein zu erzeugen, der die Vorzüge von Rot- und Weißweinen vereint: Im Idealfall verbindet ein Rosé die Kraft und den Körper eines Rotweins mit der Frische und Eleganz eines Weißweins.
Wie ein Weißwein ist auch ein Rosé kein Sommerdrink, selbst wenn einige Konsumenten das so sehen mögen. Gute Roséweine verfügen über eine feingliedrige Struktur aus frischer Säure und dezentem Tannin, in Kombination mit beerenfruchtigen Aromen.
Entsprechend macht es Sinn Roséweine gekühlt bei 10° bis 14° C zu trinken – je körperbetonter, umso mehr Temperatur. Bitte nicht zu kalt, denn wie Weißweine bleibt ein Rosé sonst aromatisch verschlossen. Und auch nicht zu warm, denn sonst dominiert der Alkohol mit einem stechenden Duft und Geschmack.
Unser Rosétipp:
Lambuena Rosado Selección 2016 (Bodegas Lambuena): 12° C (fruchtig, gehaltvoll)
Praxistipps: Wie man die Temperatur von Wein misst und gleichbleibend hält
Zur Messung der Weintemperatur stehen verschiedene Werkzeuge parat, die im Handel nicht allzu viel kosten.
Ein Weinthermometer ermöglicht eine exakte und schnelle Messung. Man steckt das Gerät in die geöffnete, volle Flasche und die Weintemperatur wird sofort angezeigt. Bei vielen Anbietern zeigt das Displaydie idealen Temperaturbereiche für Rot-, Weiß- und Schaumweine mit an.
Einen Manschettenthermometer klammert man um den Flaschenbauch. Nach einer Weile zeigt er die Weintemperatur an. Die Messung dauert im Vergleich etwas länger. Das Gerät bringt hingegen den Vorteil mit sich, dass man eine Flasche nicht öffnen muss, bzw. dass man auch die Temperatur bei einer bereits geöffneten und nicht mehr vollen Flasche messen kann.
Sehr praktisch – allerdings kostenintensiver – ist ein Weinkühlschrank. In der Regel verfügen Weinkühlschränke über Fächer und Regale, deren Temperaturen sich unterschiedlich einstellen lassen. So können Weiß-, Rosé- und Rotweine gleichzeitig darin gelagert und auf ihre jeweils ideale Temperatur reguliert werden.
Zu guter Letzt, also während Sie den Wein trinken, ist ein Flaschenkühler von Nutzen. Die Verwendung eines solchen stellt sicher, dass der Wein seine Temperatur nicht zu schnell verändert, sondern beibehält.
Die Trinktemperatur: ein Selbstversuch
Unser kurzes Fazit: Achten Sie bei Weinen auf die korrekte Trinktemperatur, denn eine unterschiedliche Weintemperatur bringt bei ein und demselben Wein ein völlig unterschiedliches Geschmackserlebnis mit sich.
Diese Aussage können Sie bei folgendem Selbstversuch überprüfen. Unser Tipp: Besorgen Sie sich zwei Flaschen eines Rotweins. Kühlen Sie dann die eine Flasche auf 16° C im Kühlschrank herunter. Diese Temperatur ist ein Mittelwert, der zu fast allen Rotweinen passt. Die andere Flasche belassen Sie bei der heutzutage üblichen Zimmertemperatur von 23° C.
Verkosten Sie nun den Rotwein – einmal mit 16° C, einmal mit 23° C – parallel. Was riechen und schmecken Sie? Wie empfinden Sie das Genusserlebnis beim Glas mit 16° C und wie bei dem mit 23° C? Essen Sie gerne auch ein Steak oder eine Pasta mit Pilzsauce dazu. Wie harmoniert der unterschiedlich temperierte Wein mit dem Essen? Ihre Erfahrung und Eindrücke können Sie uns gerne in der Kommentarspalte mitteilen. Wir sind gespannt darauf.