Bodega Anadigna – animierende Albariño vom Atlantik

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Liebe Vino&Alma-Leser. Ich bin Thomas Götz, ein Weinautor und Weinscout mit Wohnsitz in Spanien. Seit 2016 betreibe ich den Blog Spaniens Weinwelten. In diesem Artikel stelle ich zwei Weißweine aus Galicien vor. Sie kommen von einem Winzer, den ich kenne und schätze und sie gehören für mich zum Besten, was es von der Rebsorte Albariño in diesem Preissegment gibt.

Carlos Rey Lustres, so der Name des Winzers, führt seit 2012 die kleine Bodega Anadigna im Anbaugebiet Rías Baixas. Das Weingut hat er nach seiner Großmutter benannt, die bereits in den 1950er Jahren einen regional allseits geschätzten Weißwein kelterte. Auf etwas über zwei Hektar kultiviert Carlos die einheimische Sorte Albariño, mit seiner Produktion kommt er damit auf gut 10.000 Flaschen im Jahr. Das ist sehr wenig, und allein aufgrund dieser limitierten Menge stellen seine zwei Weißweine einen seltenen Schatz dar.

Weinkeller Anadigna

Es ist aber nicht nur die geringe Verfügbarkeit, welche die Gewächse von Bodega Anadigna besonders macht, sondern ebenso deren Qualität: Es handelt sich um mineralische Weißweine mit vielschichtiger Frucht und einer bemerkenswerten Frische. Dank der lebhaften Säure entsprechen diese Albariño so gar nicht dem (veralteten) Bild der „schweren Spanier“.

Albariño und Rías Baixas: Zwei ziemlich beste Freunde

Kurz will ich einen Blick auf die Rebsorte werfen: Albariño heißt übersetzt „der kleine Weiße vom Rhein“. Der Legende nach sollen Mönche im 12. Jahrhundert über den Pilgerweg weiße Reben mit nach Santiago gebracht haben, eben vom Rhein. Eine Zeit lang dachte man sogar, dass die Albariño vom Riesling abstammt. Eine DNA-Analyse konnte diese Annahme aber nicht belegen. Der Test zeigte vielmehr eine Nähe zur portugiesischen Malvasia Fina, so dass man davon ausgehen darf, dass die Albariño ihren Ursprung in der Region Galicien-Nordportugal hat.

Rebsorte Albariño

Galicien befindet sich im äußersten Nordwesten Spaniens. Immer wenn ich in meinem andalusischen Zuhause den Fernseher einschalte und den Wetterbericht schaue, habe ich den Eindruck, dass in ganz Spanien die Sonne scheint. Ganz Spanien? Nun ja: Ein widerspenstiger Zipfel links oben am Bildschirm will sich dem Wetterdiktat nicht unterwerfen und ist zumeist mit grauen Wolken und Regentropfen dargestellt: Das ist nicht Gallien, sondern eben Galicien.

Dieses Galicien ist also die Heimat der Albariño, und nirgendwo wird die Rebsorte häufiger angebaut als in der DO Rías Baixas. Jenes Anbaugebiet zieht sich die Atlantikküste entlang und heißt ins Deutsche übersetzt „Untere Fjörde“. Vom „südlichsten Weingebiet Nordeuropas“ sprechen die Einheimischen hin und wieder etwas scherzhaft. An der Aussage ist aber schon etwas Wahres dran, denn atlantische Winde sorgen für reichlich Niederschläge von um die 1300 mm im Jahr. Das ist etwa doppelt so viel als der deutsche Durchschnitt.

Die häufigen Schauer machen Rías Baixas zu einem grünen und fruchtbaren Land. Für den Weinbau wichtig sind dabei die vorherrschenden Granitverwitterungsböden, die das Wasser sehr gut abführen können. Die Albariño-Rebe mit ihren kleinen Beeren und dicken Schalen hat sich diesem Terroir über die Jahrhunderte perfekt angepasst. Die Traube ergibt fruchtige, aromatische Moste mit hervorragenden Säurewerten. Zudem verleihen die Granitböden den Weinen eine feine mineralische Note.

Weinlage Anadigna

Bodega Anadigna – Alte Reben und Weißweine mit Grip

Das Weingut Anadigna liegt im Salnes-Tal an einem Meeresarm, der sich vom Atlantik ins Landesinnere zieht. Hier bestellt Carlos Rey Lustres in schonender Weise seine Weinberge. Den Böden führt er Naturdünger zu und er verzichtet auf den Einsatz von Insektiziden. Die meisten Reben sind 30 bis 40 Jahre alt und wurden noch von Carlos’ Eltern gepflanzt. Darüber hinaus bezieht der Winzer Trauben aus bis zu 135 (!) Jahre alten Rebstöcken. Diese stammen aus der Zeit vor der großen Reblausplage und sind somit wurzelecht. Derartige Reben sind europaweit absolute Raritäten.

Die über 100 Jahre alten Albariño-Reben werden übrigens im traditionellen Stil als Kletterwein gehalten. Die Pflanzen ranken sich dabei an bis zu 1,90 Meter hohen Spalieren entlang und breiten sich auf einer Pergola aus. Eine solche Pergola-Erziehung sorgt für gute Durchlüftung und schützt die Trauben gleichzeitig vor zu viel Feuchtigkeit und Sonneneinstrahlung. In früheren Zeiten wurde unter diesen Weinlauben sogar Gemüse angebaut.

Anadigna Alte Reben Pergola

Die zwei sortenreinen Albariño von Carlos Rey Lustres, das hatte ich eingangs erwähnt, stehen für höchste Weißweinqualität und kommen mit einem breiten Aromenspektrum daher. Ergänzend verfügen sowohl der „Anadigna 2017“ als auch der Anadigna Sobre Lias 2016 mit zirka 7 g/l über eine packende Säure. Das macht sie saftig und frisch. Die Weine zeigen darüber hinaus einen schönen Grip im Mund, der animiert und nach mehr verlangt.

„Sobre Lias“, dies als kurze Erklärung, ist die spanische Bezeichnung für das Hefelager eines Weißweins: Nach der alkoholischen Gärung und dem ersten Abstich verbleiben Hefereste im Wein, die als Feinhefe bezeichnet werden. Manche Weißweine lässt man für mehrere Monate auf der Feinhefe „liegen“ und rührt diese wöchentlich wieder auf. Ziel des Kontakts zwischen Most und Feinhefe ist, dass die Weißweine dadurch eine cremigere Textur und mehr Körper erhalten und zudem länger lagerfähig sind.

Carlos Rey Lustres

Es lohnt sich also beide Albariño-Weine von Bodega Anadigna zu probieren. Sowohl den Anadigna Sobre Lias mit sieben Monaten Feinhefeausbau, als auch den klassisch-filigranen Anadigna. Ich kann diese Weine nur wärmstens empfehlen und werde sie jetzt kalt trinken. Salud!

PS: Und auf Sie – liebe Leser und Leserinnen – warten die Anadigna-Weine im Shop von Vino & Alma: Hier geht es zum Anadigna Albariño und hier zum Anadigna Sobre Lias. Wer den Shop von Vino&Alma im Allgemeinen besuchen möchte, muss hier klicken.

Zum Autor: Thomas Götz ist Verleger, Autor, Weinblogger und Weinscout. Seit 2015 lebt er in Andalusien, seit 2016 betreibt er den Blog Spaniens Weinwelten. Für seinen Blog ist Thomas viel in Spanien unterwegs und besucht Weingüter vor Ort: „Wenn du einen Wein verstehen willst“, erklärt er sein Motto, „dann begib dich in seinen Weinberg und unterhalte dich mit dem Winzer.“

 

Thomas Goetz in Andalusien

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